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From: Die Welt

Das entfesselte Selbst (The unbridled self)

Die Welt: 

Für den, der sich in gefährliche Gewässer begibt, ist es wichtig zu wissen, was ihn erwartet. Odysseus, der bekannteste Seefahrer der griechischen Mythologie, wusste es. Andere hatten ihn vor den Sirenen gewarnt, die er auf seiner Heimfahrt von Troja treffen würde. Die Fabelwesen saßen auf Klippen in der See und lockten mit ihrem unwiderstehlichen Gesang die Schiffe so nah an die Klippen, dass sie dort zerschellten. Darum ließ sich Odysseus an den Schiffsmast binden und verstopfte die Ohren seiner Matrosen mit Wachs. Diese bewusste Entscheidung, sich selbst zu kontrollieren, ließ ihn in die Reise überstehen. Er navigierte an den Klippen vorbei – auch wenn er vor Verlangen fast verging.

Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle, das wissen Forscher inzwischen, ist neben der Intelligenz die einzige Persönlichkeitseigenschaft, die Menschen in allen Bereichen des Lebens sicher auf einem guten Weg hält. Wer seine Gedanken, Gefühle und Impulse gut kontrollieren kann, lebt nicht nur in besserer physischer und psychischer Gesundheit, sondern lernt und arbeitet auch erfolgreicher, lebt eher in langen und glücklichen Partnerschaften, wird seltener kriminell oder drogenabhängig und lebt sogar länger als andere. Warum einige Menschen das sehr gut können und andere nicht, war lange Zeit ein Rätsel. Denn Selbstkontrolle ist keine unbegrenzte Ressource. Sie erschöpft sich. Wer viele Impulse nacheinander kontrollieren muss, handelt am Ende umso impulsiver.

Als er anfing zu forschen, sagt Roy Baumeister, Professor für Sozialpsychologie an der Florida State University in einem Vortrag für die “Young Minds”-Konferenz, da habe er sich auf das Selbstwertgefühl als Forschungsobjekt konzentriert. Viele Wissenschaftler hatten wie er ursprünglich geglaubt, ein positives Selbstbild wäre für all die positiven Effekte verantwortlich, die ein glückliches Leben ausmachen. “Das war aber leider ein Flop”, sagt er.

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