Die Sicherheit des Status quo

Wiener Zeitung:

“Gott soll einen behüten vor allem, was noch ein Glück war”, zitiert Friedrich Torberg seine Tante Jolesch. Mit seinen Büchern über die Tante Jolesch er nicht nur seiner Jugend und dem jüdischen Leben im Wien und Prag der Zwischenkriegszeit, sondern auch dem Schönreden ein Denkmal gesetzt. Wer vom zweiten Stock aus dem Fenster fällt und nicht tot auf dem Pflaster landet sondern in einem Misthaufen, hat noch ein Glück gehabt. Und wem der Bäcker sagt, dass sein geliebtes Rauchfangkehrerbrot aus ist, auch. Das Brot würde eh nur blähen, wenn er es hätte.

Wenn eine Katastrophe gerade noch verhindert wurde, reden wir das Resultat schön. Können wir nicht verwirklichen, was wir vor hatten, auch. Und wir beschönigen einen Status quo, der uns eine gewisse Sicherheit bietet, obwohl wir mit dem Zustand an sich rundheraus unzufrieden sind. Größer noch als die Unzufriedenheit ist nämlich die Angst vor Veränderung und dem Neuen, für das wir das Alte verlieren.

US-Wissenschafter haben ergründet, warum ganze Gruppen oder sogar Nationen an Systemen festhalten, die miserabel oder gar zum Scheitern verurteilt sind. Die Psychologen Aaron Kay und Justin Friesen haben bestehende Studien verglichen und sie zu einem einheitlichen Bild zusammengefasst. Demnach gibt es vier Motive, warum Menschen ein bestehendes System rechtfertigen, selbst wenn ersichtlich ist, dass das System falsch, ungerecht und korrupt ist.

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